Ein Gletscherabbruch im Himalaya löst eine Katastrophe aus – und das volle Ausmaß ist noch nicht absehbar.
Eine durch einen Gletscherabbruch ausgelöste Sturzflut hat die Himalaya-Region erschüttert und in Nepal sowie Tibet mindestens 362 Menschenleben gefordert. Die nepalesische Polizei verzeichnete 359 Todesopfer im eigenen Land, die chinesischen Behörden bestätigten drei weitere Tote auf tibetischem Gebiet. Ein Polizeisprecher ließ keinen Zweifel daran, dass die Bilanz weiter steigen wird: „Die Zahl wird nach oben gehen, da wir die Suche wieder aufgenommen haben und voraussichtlich weitere Leichen geborgen werden.“
Mehr als 1.300 Personen gelten derzeit als vermisst, darunter zahlreiche internationale Touristen aus Deutschland und Australien. Rund 5.000 Rettungskräfte sind in der schwer zugänglichen Himalaya-Region im Einsatz, um nach Überlebenden zu suchen. Die Bedingungen erschweren die Arbeit erheblich: Schlammmassen blockieren weite Teile des Gebiets, und an einem Fluss in Nepal hat sich ein Stausee mit einem Volumen von rund zwei Millionen Kubikmetern gebildet, dessen Dammbruch jederzeit droht.
Klimawandel als Ursache
Als Auslöser der Katastrophe identifizierte die US-Erdbebenwarte USGS einen Gletscherabbruch, der eine gewaltige Lawine aus Eis und Geröll in Bewegung setzte. Die seismischen Aktivitäten, die in der Region registriert wurden, sind demnach auf diesen Abbruch zurückzuführen und nicht auf ein Erdbeben. Wissenschaftler weisen in diesem Zusammenhang auf den Klimawandel hin, der die Destabilisierung von Eis und Fels in Hochgebirgslagen zunehmend beschleunigt.
Internationale Hilfe
Die internationale Gemeinschaft reagiert mit konkreten Hilfsmaßnahmen. Die USA stellen 500.000 US-Dollar an Katastrophenhilfe bereit. Auch Österreich beteiligt sich über humanitäre Organisationen an der Unterstützung der Betroffenen.
Alexander Bodmann, Vizepräsident der Caritas Österreich, betonte die Dringlichkeit der Lage: „Das Ausmaß dieser Katastrophe ist erschütternd.“ Und weiter: „Für die Betroffenen zählt jetzt jede Stunde.“ Walter Hajek, Leiter Internationale Zusammenarbeit beim Österreichischen Roten Kreuz, verwies auf die Kapazitäten vor Ort: „Das Nepalesische Rote Kreuz ist mit 90.000 Freiwilligen die größte Hilfsorganisation im Land und hat jahrzehntelange Erfahrung in der Katastrophenhilfe, die auch jetzt sofort angelaufen ist.“